Indonesien

Yogyakarta – eine Stadt, die so viel zu bieten hat

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Yogyakarta – eine Stadt, die so viel zu bieten hat

Yogyakarta ist eine Stadt wie keine zweite. Kaum überlaufen zieht sie viele junge Menschen an und bietet ein angenehmes Gefühl von Sicherheit. Die Indonesier lieben diese Stadt aus den gleichen Gründen. Wir waren während der Ferienzeit dort und haben die Stadt Seite an Seite mit ihnen genossen.

Nach unserer aufreibenden Busfahrt von Jakarta nach Yogyakarta waren wir sehr froh, als wir mit offenen Armen in unserem neuen Hostel begrüßt wurden. Trotz der frühen Morgenstunde war unser Zimmer schon fertig und wir konnten nach einer kurzen Führung durch das Hostel unseren erschöpften Körpern einen verfrühten Mittagsschlaf gönnen.

Den restlichen Tag nutzten wir, um einige Informationen über Yogyakarta einzuholen. Zum Beispiel wussten wir nicht, dass hier das Bildungs- sowie Kulturzentrum der Insel Java angesiedelt war. Unser Hostel hatte so einiges an Tipps auf Lager und gab uns Empfehlungen zu Sehenswürdigkeiten, Kuriositäten und den besten Warungs. Warungs sind meist familiengeführte kleine Restaurants, die vor allem die indonesischen Nationalgerichte anbieten. In sehr touristischen Gegenden kommt es jedoch vor, dass auch westliche Speisen angeboten werden.

Eines dieser Warungs, die uns empfohlen wurden, heißt Spesial Sambal und es war bekannt dafür, jede Menge an unterschiedlich scharfen Sambal-Sorten zuzubereiten. Das ließ besonders mich aufhorchen, da ich scharfes Essen ausgesprochen schätze. Zudem war das eines dieser Dinge, auf die ich mich in asiatischen Ländern besonders gefreut habe. Und ganz nebenbei bemerkt ist scharfes Essen der natürlichste Killer von jeglichen unerwünschten Krankmachern, die eventuell durch eine nicht eingehaltene Kühlkette oder sonstige Verunreinigungen ab und zu durchaus im Essen sein könnten.

Amith und Moni auf dem Weg zum SS

Moni und Amith auf dem Weg zum Spesial Sambal

Wir entschieden uns noch an diesem Abend zusammen mit ein paar anderen Reisenden, die wir kurz zuvor im Hostel kennengelernt hatten, in das Spesial Sambal zu gehen. Mit von der Partie war Amith, ein Niederländer, ursprünglich aus Suriname, dessen Gesellschaft wir noch des Öfteren genießen würden. Das Warung lag fußläufige 15 Minuten entfernt und wir hatten den ganzen Abend Zeit, die spannenden Erzählungen und Reisegeschichten der anderen zu hören, nachzufragen und unsere bisherigen Erfahrungen zu teilen. Einige aus der Gruppe waren auch gerade erst in Yogyakarta eingetroffen und hatten wie wir einen 4-tägigen Aufenthalt geplant, ein anderer reiste am nächsten Morgen bereits ab.

Im SS essen wir immer am Boden
Im SS essen wir immer am Boden

Im SS sitzen wir immer auf dem Boden

Als wir unsere Schuhe auszogen und uns barfuß auf den Boden an die niedrigen Tische setzten, konnten wir noch nicht ahnen, dass es uns von nun an jeden Abend in das SS verschlagen würde. Die Karte war stark zerflettert und kaum lesbar. Doch zum Glück wurden die indonesischen Speisen von Bildern unterstützt und wir hatten mit der Hilfe von Übersetzungsapps und mehreren Fragerunden an das Personal den Dreh bald raus. Grundsätzlich bestellt man Reis, etwas Sambal und dazu viele kleine Köstlichkeiten. Darunter waren zum Beispiel frittierte Kartoffelpüreebällchen oder frittierte Auberginen, Wasserspinat, gegrillter oder gebratener Hühnerschenkel, Garnelen und viele andere Leckereien. Die Auswahl des Sambals war mit das schwierigste und wir entschieden uns fast ausschließlich nach dem Bild. Dieses Mal wurde es ein frittierter Mix mit Sambal, Knoblauch und Tomate. Es war sau scharf! Aber auch wirklich sehr schmackhaft. Zu trinken gab es allerlei frisch gepresste Säfte und Wasser.

Unsere Favouriten im Spesial Sambal

Viele der Menschen aßen mit der rechten Hand, wie auch ein paar aus unserer kleinen Gruppe, die schon viele Monate in Asien unterwegs waren. Ich habe es auch probiert und kurz darauf wieder sein lassen – der Genuss des Essens mit Gabel und Essstäbchen war mir in diesem Moment wichtiger.

Am nächsten Tag machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Wir hatten von einem großen Straßenmarkt gehört und außerdem von einem kuriosen Mythos, der sich um einen Platz ganz in der Nähe handelt. In der Mitte des Platzes stehen zwei Banyanbäume (eine bestimmte Art von Feigenbäumen) mit einem Abstand von etwas über 10 Metern zueinander, durch die es gilt, zur Abendstunde mit verbundenen Augen hindurchzulaufen. Früher sollen wohl so die Soldaten des Sultans ausgewählt worden sein, denn durch das Meistern dieser Aufgabe konnten sie die Reinheit ihres Herzens beweisen. Klingt interessant! dachten wir und machten uns nach einem kurzen Frühstücksschlenker auf den Weg, vorbei an bemalten Wänden und den vielen Tuktuk-Fahrern, die uns immer wieder versicherten, dass genau sie einen good good price! hätten und cheap cheap! wären. Die Tuktuks waren entweder motorisiert oder mit Pedalen ausgestattet und wurden meist von alten Männern bewegt. Wir lehnten dankend ab und wechselten manchmal noch ein paar wenige Worte mit den Fahrern – zum Beispiel wurden wir gefragt, woher wir kämen oder ob wir Indonesien mögen würden. Manch einer antwortete dann ein oder zwei Brocken auf Deutsch.

Straßenkunst
Tuktuk

Kurz vor dem Platz erlebten wir nochmal etwas sehr Typisches für Indonesien – eine starke Anhäufung vieler Motorräder und zwar aufgrund eines One-Way-Tunnels. Im Prinzip hätte das System funktionieren können, wenn nicht die ersten Autos der Gegenspur, die also eigentlich warten sollten, sich ebenfalls in den Tunnel zwängten und somit einen Stau verursachten, bei dem es fast kein vor und zurück gab.

Wir entschieden uns noch vor diesem Tunnel einen kurzen Entfernungs-Check zu machen bei dem wir feststellen mussten, dass uns fast eine ganze Stunde Fußmarsch durch unbekanntes und teilweise vom Hostel als Scam-Area deklariertes Gebiet bevorstand. Wir zogen daher nochmal die Möglichkeiten eines motorisierten Tuktuks in Erwägung. Und als wir uns gerade überlegten, welchen Fahrer wir ansprechen sollten, wurde uns die Entscheidung und das weitere Vorgehen abgenommen – und zwar von einem vorbeifahrenden Rollerfahrer, der als er uns sah, am Straßenrand anhielt, sein Gefährt stehen ließ und sich als ein Touristenexperte zu erkennen gab. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ließ er uns verstehen, dass unser Ziel, der große Markt, absolut keinen Besuch wert wäre, dass er weitaus bessere und schönere und sehenswertere Orte kenne und dass er uns sehr gerne ein Tuktuk ordern würde. Perplex und etwas überfordert mit der Situation und dem Angebot waren wir nicht sicher, was wir sagen sollten. Zum einen hatten wir nicht richtig verstanden, wohin er uns schicken wollte und zum anderen fühlten wir uns an frühere Szenen als Tourist zurückerinnert, bei denen Gefallen und Leichtgläubigkeit schnell sehr kostspielig werden können. Und wie wir so versuchten unser Bauchgefühl von unseren Erfahrungen fernzuhalten, war er bereits dabei, einen Tuktukfahrer in der Nähe ausfindig zu machen. Wir winkten ab, wollten aber kein klares Nein aussprechen, sagten, dass wir lieber noch ein Stück laufen und es uns zunächst auch nur zu dem sehr nahegelegenen Platz mit den zwei Bäume ziehen würde. Er willigte etwas widerwillig ein, bestand aber darauf, uns in Kürze dort an dem Platz wieder zu treffen und den Tuktukfahrer dabei zu haben. Nun gut, dachten wir uns – falls er uns überhaupt nochmal wiederfindet.

Das Staumanagement des Tunnels war nach wie vor eine reine Katastrophe und aufgrund einer fehlenden Fußgängerüberquerung schlängelten wir uns kurzerhand an den Autos und Rollern vorbei auf die andere Seite.

Schwerer Transport mit dem Roller
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Dicht dahinter befand sich auch schon der Alun-Alun Kidul Platz mit den zwei Feigenbäumen. Wir sahen bereits aus der Ferne einige Menschen mit verbundenen Augen, welche die Aufgabe zu meistern versuchten. Einige davon liefen sehr zielstrebig und erweckten den Eindruck, also wären sie sich sehr sicher, aktuell in die richtige Richtung zu gehen. Dabei hätten sie nicht auf größeren Abwegen sein können.

Banyanbäume auf dem Platz

Der Alun-Alun Kidul Platz mit den zwei Banyanbäumen.

Die haben sich wohl verirrt

Einige versuchten schon am Tag, die Bäume zu passieren.

Wir unterdrückten unser Schmunzeln, einigten uns darauf es noch am gleichen Abend selbst probieren zu wollen und machten uns auf den Weg zu dem Markt weiter nördlich in der Stadt. Weit kamen wir jedoch nicht, denn der Kerl von vorher hatte uns tatsächlich ausfindig gemacht und grüßte uns breit grinsend – im Schlepptau der Fahrer. Er sagte uns, dass es nur 10.000 Rupiah seien und wir auch ganz in die Nähe des Marktes fahren würden zu einem Ort, der sich lohnen würde. Kurz bevor wir einstiegen fragten wir ihn, ob er eine Gegenleistung von uns erwarten würde – etwas betroffen und doch freundlich lächelnd verneinte er die Frage.

Nach einem Terima Kasih! und einem noch immer etwas ungewissen Gefühl des Ziels fuhren wir los. Für die letzte Frage an ihn fühlten wir uns schlecht und gleichzeitig auch erleichtert. Dieses pure Geben und Begegnen auf Augenhöhe war ein schönes Erlebnis.

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Auf dem Handy verfolgte ich ab und zu, in welche Richtung wir fuhren. Nach Norden – Ok, das war schon mal die ungefähre Richtung. Nach einer ca. 20-minütigen Fahrt hielt der Fahrer an, wir bezahlten ihn, er grummelte etwas in seinen Bart – wahrscheinlich wünschte er uns ein ultra scharfes Sambal oder etwas Ähnliches (HA! Immer her damit) – und wir gingen in den Hinterhof, wo wir sogleich sehr zuvorkommend begrüßt wurden. Es stellte sich heraus, dass wir zu einem Batikhaus gefahren wurden, in dem wir von einem sehr charmanten Indonesier in der Kunst der javanischen Batik unterrichtet wurden. Er führte uns vorbei an hunderten, wenn nicht gar tausenden Batik-Kunstwerken in allen erdenklichen Größen. Zusammen mit einem anderen Pärchen konnten wir einer Künstlerin dabei zusehen, wie sie Gewebe wie zum Beispiel Leinen oder Seide mit einem bestimmten Werkzeug mit Wachs bemalte. Wir bekamen auch die Gelegenheit, das einmal selbst zu probieren. Gar nicht so einfach wie es aussieht, kann ich euch sagen.

Moni, eine bekannte Künstlerin unter Batikkennern
Julian, bekannter Batik Künstler
Die wahre Künstlerin
Im Land der Batik Kunst

Irgendwann schafften wir es dann auch noch zu dem Markt, der aber etwas enttäuschend daherkam. Ich weiß auch nicht, was genau wir eigentlich erwartet oder gesucht hatten, aber Stände, die sich alle paar Meter wiederholten und am laufenden Band das exakt gleiche anboten, waren es nicht. Lediglich die nahegelegene Halle mit ihren Abzweigungen und der sagenhaften Vielfalt an bunten Kleidern und Stoffen hatte den Abstecher nochmal lohnenswert gemacht.

Der langersehnte Markt

Der Markt in der Jalan Malioboro

In der Markthalle

In der Markthalle Pasar Beringharjo in Yogyakarta

Für den Rückweg entschieden wir uns nochmal mit einem Tuktuk zu fahren. Ein Fahrer bot uns an für nur 5.000 zu fahren. Also stiegen wir ein und hatten eine angenehme Rückfahrt, bei der wir uns auch mit dem Fahrer unterhielten und Yogyakarta in der Abenddämmerung bestaunen konnten.

Auf dem Rückweg

Als wir an dem Alun-Alun Kidul Platz vorbeikamen, hielten wir spontan an, da sich die Atmosphäre dort nochmal ganz verändert hatte und wir ja sowieso auch die Herausforderung, durch die zwei Bäume zu laufen, noch machen wollten. Unser Fahrer setzte uns ab und bat uns zu bezahlen – 50.000 Rupiah seien es. Wir versuchten erst freundlich, dann etwas energischer sein Gedächtnis aufzufrischen – doch die zuvor ausgemachte Vereinbarung war wie weggeblasen. Er wurde zunehmend aggressiver, meinte, dass wir Europäer seien und uns das ja nichts ausmachen würde. Wir gaben ihm das doppelte der vereinbarten Menge und machten uns vom Acker in Richtung des Parks. Und tatsächlich blieb wieder ein komisches Gefühl hängen. Uns geht es hierbei nicht um das Geld – wobei sich auch kleine Summen über einen längeren Zeitraum zu einem beträchtlichen Haufen aufaddieren können – sondern um das Prinzip.

Das Schauspiel, welches sich uns bot, war einzigartig. Um den Platz herum fuhren Tretautos, die mit bunten LEDs und beleuchteten Figuren bestückt waren. Unterschiedliche Klänge und Musik dröhnten aus jedem einzelnen und sorgte damit für eine angenehm skurrile Stimmung. Restaurants und Warungs, die eigentlich auf der anderen Straßenseite angesiedelt waren, boten Sitzmöglichkeiten und niedrige Tische auf dem Rasen des Platzes an. Für die romantische Stimmung sorgten die von Autobatterien betriebenen Lampen. Was mir persönlich so wahnsinnig gut gefallen hat, dass das Angebot meist von Indonesiern genutzt wurde und es eben nicht ausschließlich für das Vergnügen von Touristen gemacht war. Es war gerade Ferienzeit und das spürte man auch. Die Menschen waren ganz ausgelassen und die Stimmung in dieser lauwarmen Sommernacht hätte nicht schöner sein können.

Beleuchtete Plätze im Freien
Pikachu Auto
Dino Auto
Hauptsache bunt
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An der Startlinie angekommen, liehen wir uns eine Augenbinde und versuchten nur anhand unserer Sinne geradeaus zu laufen. Ich lief zuerst. Ich positionierte mich irgendwo mittig und lief los. Moni filmte und achtete darauf, dass ich niemanden umrannte. Nach eineinhalb Minuten durfte ich die Augenbinde abnehmen – und ich wähnte mich schon auf der anderen Seite der Bäume dabei war ich schnurstracks nach rechts abgedriftet und weiter von den Bäumen entfernt, als zu Beginn. Moni war dran. Sie versuchte aus meinen Fehlern zu lernen, eher etwas langsamer und bedachter zu laufen und die gerade Linie beizubehalten. Sie schaffte das auch ziemlich gut bis sie kurz vor der Durchquerung plötzlich einen Haken schlug und an der Abgrenzung der Bäume zum Stehen kam.

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Kurz davor
Danach
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Ein witziger und schöner Abend, der dem bereits erlebnisreichen Tag noch ein Sahnehäubchen – oder für mich eine Chilischote – aufgesetzt hat. Im Hostel angekommen lernten wir Casper kennen, einen anderen Alleinreisenden Niederländer, mit dem wir am nächsten Tag in Allerherrgotsfrühe zu unserem nächsten Abenteuer aufbrechen sollten. Aber dazu mehr in einer anderen Geschichte.